In dieser Folge erzähle ich Michi, wie ich zwischen Videoschnitt und E-Mails überhaupt noch zum Üben komme. Michi wollte das danach gleich mit seinem Kalender ausprobieren.
Das Video wird erst beim Klick von YouTube geladen.Wann sollst du da noch Gitarre üben?
Die Leute denken ja oft, Michi und ich sind den ganzen Tag zu Hause und haben die Gitarre auf dem Schoß. Schön wär’s. Wir bereiten Folgen vor, ziehen Saiten auf, buchen Hotels und kümmern uns ums Booking.
Bei dir ist es wahrscheinlich ähnlich. Ganz ehrlich, drei Stunden am Stück Gitarre üben, das geht neben Job und Familie halt nicht. Die Frage ist also, wie du die paar Minuten so nutzt, dass am Ende der Woche wirklich was hängen bleibt.
Lieber eine Sache richtig als zehn nur halb
Das war in unserer Folge über Übetechniken Tipp Nummer eins. Ich habe sehr lange fast ausschließlich in der fünften Lage geübt, zum Beispiel A-Mixolydisch, ganz bewusst langsam und oft nur auf den drei oberen Saiten. So kommst du nicht durcheinander und hörst auf einmal, wie das klingt. Früher hab ich unglaublich viele Skalen über das ganze Griffbrett geübt, ohne zu wissen, warum eigentlich. Irgendwann hab ich mir gesagt: Lass uns lieber erforschen, wo die Musik in diesem Material steckt.
Mit wenig Zeit gilt das doppelt. Heute vier Sachen, morgen vier andere, übermorgen nochmal vier neue, und nach einer Woche sagst du: Mensch, ich kann eigentlich fast gar nichts besser. Kein Wunder, du bist ja nirgends drangeblieben.
Die Lasagne-Taktik, Schicht für Schicht
Angefangen hat das mit etwas, das du bestimmt kennst. Wenn ich eine Nacht drüber schlafe, kann ich am nächsten Tag besser, was ich geübt habe. Setze ich zwei, drei Tage aus, ist in der Lernphase vieles wieder weg. Also hab ich mir gedacht, schaffe ich das auch an einem einzigen Tag? Und tatsächlich, das funktioniert.
Bei mir sieht das so aus. In der Früh beim Frühstück, mit meiner Tasse Tee oder Kaffee, übe ich eine halbe Stunde an einem Stück, das ich am Tag vorher angefangen habe. Das kann ich dann schon ein bisschen besser, und mit diesem Erfolgserlebnis gehe ich in den Tag. Danach schneide ich meistens Videos, und wenn der Rechner eine Viertelstunde rendert, nehme ich die Gitarre. Nach dem Mittagessen nochmal 15, 20 Minuten. So kommen drei, vier kleine Slots zusammen, manchmal nur zehn Minuten.
Pass auf, jetzt kommt der wichtigste Teil. In der Pause legst du die Gitarre wirklich weg und machst was ganz anderes, Rasenmähen zum Beispiel oder ein Tiramisu. Oder du trinkst einfach mal einen Kaffee, ohne nebenher irgendwas zu tun. Zwischendurch vier andere Themen üben zählt nicht als Pause.
Warum Lasagne? Weil du Schicht für Schicht aufbaust. In der Früh die erste Schicht, dann Pause, dann die nächste. In jede Schicht kommt dieselbe Soße, also immer dasselbe Stück. Wenn ich fünfmal am Tag sieben verschiedene Sachen übe, kann ich am Ende gar nichts. Bleib ich an derselben Stelle, ist irgendwann die Lasagne fertig, und obendrauf kommt der Parmesan.
Hinterher hab ich festgestellt, dass es dafür schon einen Namen gibt, die Pomodoro-Technik: 25 Minuten Arbeit, fünf Minuten Pause, benannt nach einer Uhr in Tomatenform. Im Video haben wir noch rumgeflachst, es hätte genauso gut die Zucchini-Technik werden können.
Die Gitarre muss griffbereit sein
Das klappt nur ohne Hürden. Steht die Gitarre gestimmt im Ständer neben dir, wunderbar. Wenn der Amp erst warm werden muss und du noch zehn Minuten am Sound rumschraubst, ist dein Slot vorbei. Ich spiele vieles ganz ohne Verstärker, und wenn die Stücke sowieso akustisch sind, nehme ich gleich die Akustikgitarre. Und am Ende der Folge kam noch der Tipp, ein Glas Wasser danebenzustellen.
Ein Übeplan für 30 Minuten Gitarre, als Vorschlag
In der Academy empfehlen wir etwa 30 Minuten, drei- bis viermal pro Woche. Den Plan hier haben wir so nicht im Video gezeigt, ich hab ihn aus den Tipps der beiden Folgen zusammengebaut. So würde ich es einem Schüler nach dem Unterricht beim Kaffee sagen. Du kannst die halbe Stunde am Stück machen oder in drei Lasagne-Schichten zu je zehn Minuten aufteilen.
Vorher suchst du dir ein Ziel, das du in den nächsten Tagen schaffen kannst, zum Beispiel acht Takte aus einem Solo. Bitte keine Tapping-Orgie, die noch Jahre dauert. Dieses Ziel ist die Soße für die ganze Woche.
- 01
Minute 0 bis 5: Spiel das, was du letztes Mal geübt hast. Nach einer Nacht geht das meistens schon besser, und das ist dein Erfolgserlebnis für heute.
- 02
Minute 5 bis 15: Jetzt an die Stelle, die noch hakt. Reduzier ruhig, bleib in einer Lage und nimm erst mal nur drei Saiten.
- 03
Minute 15 bis 20: Hör dir selbst zu. Sind die Töne gleich laut? Sind sie gleich lang?
- 04
Minute 20 bis 25: Mach Musik draus. Nimm einen kurzen Loop auf, begleite dich selbst und spiel die Phrase mal laid-back und mal richtig kräftig.
- 05
Minute 25 bis 28: Einfach spielen. Bau die neue Phrase in irgendwas ein, das du schon kannst.
- 06
Minute 28 bis 30: Handy aufs kleine Stativ, 20 Sekunden aufnehmen, später in Ruhe anschauen.
Das Metronom groovt nicht
Das ist bei Michi und mir ein absolutes Lieblingsthema. Das Metronom ist einfach nur ein sturer Taktgeber. Grooven musst du selbst.
Wenn ich genug mit dem Metronom gearbeitet habe, mache ich am FM9 einen kurzen Loop und spiele darüber weiter. Dann hörst du sofort, ob dein Timing wirklich besser geworden ist. Ein Backing Track groovt meistens von alleine, da heizt man einfach drüber. Beim Looper musst du dich anstrengen, damit es gut klingt. Und spiel auch eine reine Technik-Lektion mal ganz soft und mal kräftiger. Michi und ich unterscheiden uns als Gitarristen ja auch vor allem durch Ausdruck und Dynamik.
Nimm dich auf, das Handy reicht völlig
Das sagen wir unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Academy immer wieder. Während du spielst, kannst du gar nicht alles erfassen, was passiert. Die Perspektive des Spielers ist eine andere als die Perspektive des Zuhörers.
Auf dem Video siehst du auf einmal deine Handhaltung von vorne. Oft fällt dann der Groschen, und du weißt, was nicht stimmt. Mit Perfektion hat das nichts zu tun. Die Aufnahme ist erst mal nur für dich, und wenn du sie uns in der Academy schickst, ist das ein geschützter Raum. Du gegen gestern, mehr nicht.
Und wie läuft das bei uns in der Academy?
Die meisten bei uns haben einen Job und eine Familie, so wie du. Deshalb gibt’s jede Woche neue Lektionen mit einem Ziel, das in deinen Alltag passt.
Den größten Fortschritt sehen Michi und ich bei den Milestone-Challenges. Du schickst uns eine kurze Aufnahme, und einer von uns beiden macht dir ein persönliches Feedback-Video dazu. Till aus der Academy hat das mal so gesagt: „Ich habe vom letzten März eine Menge von zwei Auftritten mitgeschnitten und denke mir: Echt, das kann man anhören. Das war vorher nicht so.“
Häufige Fragen
Ich hab neben dem Job kaum Zeit. Wie lange sollte ich am Tag Gitarre üben?
Wenn du berufstätig bist, empfehlen wir etwa 30 Minuten, drei- bis viermal pro Woche. Mehr als zwei Tage solltest du dabei nicht aussetzen, sonst ist in der Lernphase vieles wieder weg.
Reichen 10 Minuten Gitarre üben am Tag?
Ja, wenn du immer an derselben Sache bleibst. Meine Faustregel aus dem Video ist zehn Minuten intensiv, dreimal am Tag, fünfmal die Woche. Bei mir fühlt sich so eine Stelle oft schon nach drei, vier Tagen besser an.
Wie mache ich einen Übeplan für Gitarre, wenn ich wenig Zeit habe?
Such dir ein Ziel für die nächsten Tage und bleib jeden Tag daran. Fang mit dem an, was du letztes Mal geübt hast, und hör mit einer kurzen Handy-Aufnahme auf. Den Rest kannst du auf kurze Slots über den Tag verteilen.
Ist es besser, jeden Tag kurz oder am Wochenende lang Gitarre zu üben?
Jeden Tag kurz, ganz klar. Nach einer Nacht drüber schlafen kannst du Neues meistens schon besser, nach zwei, drei Tagen Pause ist vieles wieder weg. Die lange Session am Sonntag holt das nicht mehr auf.
Deine erste Gain-Stufe
Drei Wochen Material per Mail, du übst in deinem Tempo, und dann schickst du uns eine Aufnahme. Michi oder ich geben dir persönliches Feedback dazu.
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