Enrico und ich nehmen uns einen unserer Boutique Backing Tracks vor, den wir mit meiner Band Groove Galaxy bei Enrico im Studio eingespielt haben, und gehen ihn Teil für Teil durch. Am Ende zeigt Enrico, was er im Intro-Solo von SUPERGAIN TV eigentlich spielt.
Das Video wird erst beim Klick von YouTube geladen.Warum komme ich auf der Gitarre nicht weiter, obwohl ich ständig spiele?
Kennst du das? Du schmeißt den Backing Track an, schaust grob, welche Tonart, und spielst dann zehn Minuten durch. Macht Spaß. Und am nächsten Tag klingt es wieder genauso.
Ganz ehrlich, ich mach das auch. Nur lernst du dabei wenig Neues, weil du einfach abrufst, was du eh schon kannst.
Bei SUPERGAIN unterscheiden wir deshalb zwischen Üben und Spielen. Üben heißt, du arbeitest an etwas, das du noch nicht kannst. Spielen heißt, du genießt das, was schon da ist. Beides gehört dazu. Wer aber über Jahre nur spielt, landet irgendwann zuverlässig bei denselben Licks.
Was verrät mir eigentlich die Akkordfolge?
Viele legen direkt los, ohne den Track je angehört zu haben. Dabei sagen dir die Akkorde ziemlich genau, welche Töne passen.
Unser Track steht in D-Moll. Am Anfang kommen Dm7 und C über D. Das ist noch ziemlich frei, da könntest du Dorisch oder Äolisch spielen.
Und jetzt kommt's. Danach folgt ein Bmaj7, also ein Akkord auf der kleinen sechsten Stufe. In dem Moment fliegt Dorisch zum Fenster raus. Dorisch hat die große Sexte, das H, und das reibt sich mit dem B im Akkord. Hier ist D natürlich Moll angesagt, also Äolisch. Probier beides mal über die Stelle, du hörst den Unterschied sofort.
Bei jedem Backing Track in D-Moll ist das meine erste Frage: Kommt ein Akkord mit B oder einer mit H? Je nachdem sieht die Welt wieder anders aus.
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Hör den Track einmal komplett, ohne Gitarre in der Hand.
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Schreib die Akkorde mit oder lies im Leadsheet mit.
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Frag dich bei jedem Akkord, ob da ein B oder ein H drinsteckt.
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Spiel beide Tonleitern über die Stelle und lass dein Ohr entscheiden.
Check mal die Form, bevor du losspielst
Der zweite Tipp: Hör dir an, welche Teile es gibt und was die Band eigentlich macht. Wo wechselt was, wann wird es lauter, wann dünner?
In unserem Track kommt nach zwei Runden ein B-Teil, der von Dm über Am nach Gm geht. Dm und Am haben weder B noch H, Gm hat aber das B. Also bist du immer noch in D natürlich Moll, und Dorisch ist weiterhin raus.
Witzigerweise war die erste Idee für den Track: zehn Minuten diese Akkordfolge, irgendwo eine Bridge rein, fertig. Im Nachgang haben wir die Bridge mit Absicht schon nach zwei Runden eingesetzt. Die zwingt dich praktisch dazu, in einen anderen Improvisationsmodus reinzugehen.
Du klingst mit Band so, wie du zu Hause übst
Jetzt die bittere Wahrheit. Man klingt leider Gottes mit einer Band immer so, wie man zu Hause klingt. Du spielst auf der Bühne nicht plötzlich wahnsinnig dynamisch, wenn du daheim die ganze Zeit einfach drüberheizt und gar nicht hörst, was um dich herum passiert.
Deshalb hat unser Track Teile mit unterschiedlichen Dynamik-Levels. Im B-Teil steckt ein cooles Riff. Da kannst du mit der Lautstärke runtergehen oder in die Lücken reinspielen, statt über das Riff drüberzubügeln.
So bereitest du dich im Wohnzimmer auf die nächste Jam Session oder einen Auftritt vor.
Wie komme ich weg von immer denselben Licks?
Am Ende der Bridge kommen dreimal diese Kicks und dann ein A7 mit übermäßiger Quinte. Das ist meine Lieblingsstelle. Ich weiß schon, die meisten spielen lieber, als zu analysieren, aber ich steh halt drauf, so Zeug auszunerden.
Die übermäßige Quinte von A ist ein F. Und das F ist gleichzeitig die kleine Terz von D-Moll, also ein Common Tone, und auf wundersame Weise löst sich das super nach D-Moll auf. Auf dem A7 entsteht so viel Spannung, dass du denkst: Gott sei Dank kommt jetzt D-Moll.
Hier kannst du alteriert spielen oder D harmonisch Moll mit dem Cis. Das Cis kommt im ganzen Track total selten vor, und gerade deshalb ist es so ein cooler Ton. Nimm dir vor, es am Ende der Bridge zu erwischen, dann machst du automatisch einen kleinen Ausflug raus aus dem gewohnten Tonmaterial.
Landest du auf dem Grundton A, klingt es viel entspannter. Das E geht auch, ist über dem F aber ziemlich dissonant. Dann kommt es darauf an, wohin du auflöst und wie du dich wieder fängst. Grundsätzlich kannst du jede Note spielen, wenn du ihr Spannungspotenzial erkennst und sie richtig auflöst. Am Anfang helfen ein paar Grundregeln, und die dürfen auch gedehnt werden, völlig in Ordnung.
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Such im Track den Akkord, der aus dem Rahmen fällt, bei uns den A7 mit übermäßiger Quinte.
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Leg dir einen Zielton fest, zum Beispiel das Cis, und spiel darauf hin, bis du ihn zuverlässig erwischst.
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Dann probier das A und das E und hör, was sich ändert.
Und was spielt Enrico da eigentlich im Intro-Solo?
Viele haben uns geschrieben, wie cool sie das Intro-Solo von SUPERGAIN TV finden. Enrico spielt da drei Töne pro Saite, und zwar in der D-Moll-Pentatonik. Ganz schön strange, und ein ordentlicher Stretch. Ich musste mir die Gitarre auch erst mal nehmen und das checken. Mit Tempo klingt es fast wie ein Saxofonist, so in Richtung Michael Brecker. Tierisch.
Spannend fand ich, dass Enrico und ich den Stretch mit unterschiedlichen Fingern greifen. Finde raus, was für deine Hand passt, und bau das Ganze dann in einen Teil des Tracks ein, den du schon gut kennst.
Und wie machen wir das in der Academy?
Für die SUPERGAIN Academy spielen wir unsere Backing Tracks immer live ein. Jede Woche gibt es neue Lektionen in Stufen von 1 bis 5, mit Noten und Tabs, dazu Jam-Tracks. Mit Guide Tones, also Tönen, auf die du gezielt hinspielst, haben wir da schon oft gearbeitet.
Und dann schickst du uns eine kurze Aufnahme und bekommst ein persönliches Feedback-Video von Enrico oder mir. Eine Aufnahme heute und eine in ein paar Wochen, da hörst du, was sich getan hat. Du gegen gestern, die Profis auf YouTube spielen da gar keine Rolle. Und weil du beim Aufnehmen im Hinterkopf weißt, dass das jetzt jemand anschaut, ist es nebenbei ein kleines Bühnentraining.
Ich habe vom letzten März eine Menge von zwei Auftritten mitgeschnitten und denke mir: Echt, das kann man anhören. Das war vorher nicht so.
Häufige Fragen
Ich spiele seit Jahren immer dasselbe. Warum komme ich auf der Gitarre nicht weiter, obwohl ich regelmäßig spiele?
Meistens spielst du dann vor allem das, was du schon kannst. Das macht Spaß, Neues kommt dabei aber kaum dazu. Nimm dir pro Durchgang eine Sache vor, zum Beispiel einen Zielton.
Wie übe ich richtig mit Backing Tracks?
Hör den Track erst mal ohne Gitarre und check, welche Akkorde und Teile es gibt. Dann schaust du, welche Tonleiter die Akkorde verlangen, bei unserem D-Moll-Track zum Beispiel natürlich Moll statt Dorisch. Erst danach spielst du los, mit einem klaren Ziel.
Ich spiele immer dieselben Licks. Was kann ich tun?
Such dir im Stück einen Akkord, der aus dem Rahmen fällt, und leg dir dafür einen Zielton fest. Dann musst du Wege dorthin finden, die deine Finger noch nicht automatisch gehen. Bei uns ist das zum Beispiel das Cis über dem A7 mit übermäßiger Quinte.
Wie viel muss ich üben, um auf der Gitarre wieder weiterzukommen?
In der Academy empfehlen wir etwa 30 Minuten, drei- bis viermal pro Woche. Mehr als die Uhr bringt es dir, wenn du weißt, woran du gerade arbeitest.
Deine erste Gain-Stufe
Drei Wochen Material per Mail, und auf eine Aufnahme von dir bekommst du ein persönliches Feedback. Dann sagen wir dir, wo wir deinen nächsten Schritt sehen.
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